Freitag, der 8. März, gilt als Internationaler Frauentag, ein weltweites Ereignis, das Gleichberechtigung fordert und die Errungenschaften von Frauen feiert. In Berlin ist der ‚Frauentag‘ zudem ein gesetzlicher Feiertag und wird zum zweiten Mal im östlichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern als solcher begangen.
Warum ist der Frauentag nicht für alle Deutschen ein arbeitsfreier Tag?
Der Internationale Frauentag wurde in Berlin zu einem Feiertag, da die Hauptstadt im Vergleich zu anderen Bundesländern die wenigsten gesetzlichen Feiertage hatte.
Politiker in Berlin setzten sich für einen neuen Feiertag ein und entschieden sich 2019 dafür, diesen am Frauentag zu begehen.
Mit nun 10 gesetzlichen Feiertagen liegt Berlin immer noch hinter Bayern mit 13 Feiertagen und Baden-Württemberg mit 12.
Der nordöstliche Staat Mecklenburg-Vorpommern stimmte ebenfalls dafür, den 8. März ab 2023 als arbeitsfreien Tag zum Frauentag zu machen, sodass er dieses Jahr zum zweiten Mal offiziell gefeiert wird.
Andere Bundesländer erwägen derzeit ebenfalls, diesen Tag zu einem offiziellen Feiertag zu machen.
Welche Wurzeln hat der Frauentag in Deutschland?
Der Weltfrauentag wurde erstmals am 19. März 1911 in Deutschland – und in benachbarten Ländern – auf Vorschlag der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin, einer Schlüsselfigur der deutschen Frauenrechtsbewegung, gefeiert.
Mehr als eine Million Frauen gingen an diesem ersten Internationalen Frauentag auf die Straße, um aktives und passives Wahlrecht für Frauen zu fordern. 1975 erklärte die Vereinten Nationen den 8. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“.
Was ist die Verbindung zur DDR?
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurde oft als ein Frauenland bezeichnet, ein Land der Emanzipation und Gleichstellung der Frauen – was Jahrzehnte vor vergleichbaren Regelungen in der Bundesrepublik ein offizielles Staatsziel in der DDR war.
Bereits 1949 wurden Frauen ermutigt, am Arbeitsleben teilzunehmen, was für die nationale Wirtschaft dringend benötigt wurde. Der Frauentag wurde genutzt, um diese Teilnahme zu propagieren, ein Tag, der aus Reden und einem jährlichen Grußwort an die Frauen der DDR vom Zentralkomitee der herrschenden Partei bestand – dennoch blieb es ein normaler Arbeitstag.
Frauen in der DDR erhielten auch Gedichte und Blumensträuße von Kindern und Partnern, insbesondere war es Tradition, rote Nelken zu erhalten.
In Westdeutschland war die Geschlechtergleichheit besonders umstritten. Frauen benötigten beispielsweise bis 1977 die Erlaubnis ihrer Ehemänner, um arbeiten zu gehen.
In den Monaten vor der Wiedervereinigung waren etwas mehr als die Hälfte der Frauen in Westdeutschland berufstätig, verglichen mit 91 Prozent der Frauen im kommunistischen Ostdeutschland.
Einige Feministinnen aus Westdeutschland hatten eine kritische Sicht auf den Frauentag in den Staaten des Ostblocks: „In den 1970er Jahren kannten wir den 8. März nicht“, schrieb die Herausgeberin der deutschen feministischen Zeitschrift Emma, Alice Schwarzer, 2010 über das, was sie „Sozialistischen Muttertag“ nannte.
Schwarzer wies darauf hin, dass der Feiertag nur oberflächlich gefeiert wurde, anstatt als Anlass für echten sozialen Wandel zu dienen.
Während Frauen in der DDR finanziell unabhängiger waren als die im Westen – sie wurden von Anfang an zur Arbeit ermutigt und konnten eigene Bankkonten eröffnen, ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner einholen zu müssen, waren Frauen in der DDR in staatlichen Positionen stark unterrepräsentiert, nur zwei Frauen schafften es in Ministerposten.
Die typische Kernfamilie mit Frauen, die sich um den Haushalt und die Kinder kümmerten, blieb trotz ihrer erhöhten Beschäftigung weitgehend bestehen.
Dennoch argumentieren viele, dass der Frauentag Frauen in der DDR ein Gefühl der Wertschätzung vermittelte und viele ermutigte, sich für eine echte und verwirklichte Gleichstellung einzusetzen.
Wie man den Frauentag 2024 in Deutschland feiern kann
Auf der offiziellen Website Berlins finden sich zahlreiche Veranstaltungen dieses Jahr, darunter ein ‚Frauenkampftag 2024‘ im Protest gegen „patriarchale Strukturen“, eine ‚Rosen für Clara‘ Gedenkfeier, bei der Blumen am Fuß einer Statue zu Ehren von Zetkin niedergelegt werden, und eine ‚Purple Ride‘ Massenfahrradtour für größere Frauenrechte.
Für die vollständige Liste der Veranstaltungen schauen Sie bitte hier.
Auch in anderen Teilen Deutschlands wird es Veranstaltungen geben, und Frauen erhalten oft Blumen auf der Straße (oder Sie können den Frauen in Ihrem Leben Blumen schenken).
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Franziska Neumann ist eine leidenschaftliche Reporterin mit einem Gespür für außergewöhnliche Menschen und Geschichten. Ihre Reportagen auf Inside-Reeperbahn.de verbinden Fakten mit Emotionen und werfen einen besonderen Blick auf das Leben in und um die Reeperbahn.